von Stülpnagel, Otto Edwin
| * 16. Juni 1878, Berlin
† 6. Februar 1948, Paris (Selbstmord in Gefangenschaft) |
|
Otto von Stülpnagel trat am 10. Januar 1897 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Der Offizierssohn kam dabei zum 2. Garde-Regiment zu Fuß. Am 24. Mai 1898 wurde er in diesem Regiment nach dem Besuch der Kriegsschule zum Leutnant befördert. Er war der jüngere Bruder vom späteren General der Infanterie Edwin von Stülpnagel. Am 1. Oktober 1905 wurde er für fast drei Jahre zur Kriegsakademie kommandiert. Am 17. Dezember 1908 wurde er bei seinem Regiment zum Oberleutnant befördert. Im Herbst 1909 wurde er dann zum Großen Generalstab kommandiert. Am 23. Mai 1911 wurde er dort zum Hauptmann i.G. befördert. Im Sommer 1911 absolvierte eine Pilotenausbildung. Danach wurde er wieder in der Operationsabteilung des Großen Generalstabes eingesetzt. Ab Frühjahr 1912 wurde er dann für zwei Jahre bei der Inspektion der Verkehrstruppen eingesetzt. Am 1. April 1914 wurde er zum Kompaniechef im 2. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 131 ernannt. Bei Beginn des 1. Weltkrieges kam er dann wieder in den Generalstab. Dabei wurde er die nächsten Jahre in verschiedenen Stäben eingesetzt. Am 16. Mai 1916 wurde er als Ia der 6. Infanterie-Division zum Major befördert. Im 1. Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eiserne Kreuze und dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern noch viele weitere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Krieg wurde er in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Reichswehr-Schützen-Regiment 4 eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 6. Infanterie-Regiment. Am 1. April 1921 wurde er dort zum Oberstleutnant befördert. Er kam jetzt zur Friedenskommission nach Berlin. Als Leiter der Völkerrechts-Abteilung war er auch zuständig für die Abwehr der durch die Sieger geführten Kriegsverbrecher-Anklagen. In den nächsten Jahren gab er jede Menge Bücher zum Thema Kriegsverbrechen heraus. Im Frühjahr 1925 wurde er in den Regimentsstab vom 14. (Badisches) Infanterie-Regiment versetzt. Dort wurde er am 1. August 1925 zum Oberst befördert. Ab dem 1. Januar 1926 gehörte er als Generalstabsoffizier zum Stab der 3. Division der Reichswehr in Berlin. Er wurde von diesem zur Abrüstungskonferenz nach Genf entsandt. Anfang 1927 wurde er dann in den Regimentsstab vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment nach Schweidnitz versetzt. Dort erhielt er dann seine Einweisung als Regimentskommandeur. Am 1. April 1927 wurde er als Nachfolger von Generalmajor Lothar Fritsch zum Kommandeur vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment ernannt. Am 31. Januar 1929 gab er sein Kommando über das Regiment an Oberst Hermann Metz ab. Er wurde jetzt in den Stab vom Gruppenkommando 1 nach Berlin versetzt. Dort wurde er am 1. Februar 1929 zum Generalmajor befördert. Im März 1929 heiratete er die geschiedene Frau von Seydlitz-Kurzbach. Am 1. Juni 1929 wurde er zum Inspekteur der Verkehrstruppen (In 6) im Reichswehrministerium in Berlin ernannt. Als solcher wurde er am 1. Februar 1931 zum Generalleutnant befördert. Am 31. März 1931 wurde er aus dem Heer verabschiedet.
Im Sommer 1934 trat er dann in die Luftwaffe ein. Er wurde dann zuerst als Taktiklehrer an der Luftkriegsschule eingesetzt. 1935 wurde er zuerst mit dem Aufbau betraut, dann zum Kommandeur der Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow ernannt. Als solcher wurden ihm am 1. Oktober 1935 die Charakter eines General der Flieger verliehen. Am 1. Oktober 1936 wurde er dann zum General der Flieger befördert und in den aktiven Dienst der Luftwaffe übernommen. Am 1. Februar 1938 übernahm er zusätzlich noch die Leitung der Lufttechnischen Akademie. Er verschmolz beide Akademien danac zu einer Anstalt. Am 31. März 1939 wurde er aus der Luftwaffe verabschiedet. Im Sommer 1939 trat er dann wieder zur Verfügung des Heeres. Bei der Mobilmachung wurde er am 26. August 1939 zum Kommandierenden General des Stellvertretenden Generalkommando XVII. Armeekorps ernannt. Als solcher wurde er zugleich Befehlshaber vom Wehrkreis XVII. Am 24. Oktober 1940 gab er sein Kommando ab. Er wurde jetzt zum Militärbefehlshaber Frankreich in Paris ernannt. Als solcher wurde er am 1. Dezember 1940 zum General der Infanterie z.V. ernannt. Mitte Mai 1941 begann er mit der Kasernierung von Juden. Nach drei Attentaten auf Angehörige der deutschen Besatzungstruppe wurde ihm von Hitler befohlen 100 Geiseln zu erschießen. Er versuchte zwar die Zahl hinunterzuhandeln, aber im Endeffekt wurden 98 Geiseln in Nantes und Chateaubriant auf seinen Befehl hin erschossen. Wegen ewiger Querelen mit dem OKW bat er Anfang 1942 um seine Ablösung. Am 13. Februar 1942 wurde er von seinem Posten entbunden. Sein Nachfolger wurde General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel. Er wurde jetzt in die Führerreserve versetzt. Am 31. August 1942 wurde er endgültig aus der Wehrmacht verabschiedet. Im Sommer 1945 wurde er dann von den Besatzungsmächten verhaftet. Seine Frau ließ sich 1946 scheiden. Ende 1946 wurde er an die Franzosen ausgeliefert und nach Frankreich deportiert. Am 6. Februar 1948 hat er sich in französischer Gefangenschaft im Gefängnis Cherche-Midi in Paris das Leben genommen. Ein Prozess gegen ihn war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eröffnet.