Mauss, Dr. Karl

 

* 17. Mai 1898, Plön / Holstein + 9. Februar 1959, Hamburg MaussA-1.jpg (33720 Byte)

 

Obwohl ein gelernter Zahnmediziner, wurde er während des Krieges einer der erfolgreichsten Panzerkommandeure der Wehrmacht. Ausgezeichnet mit der höchsten Tapferkeitsauszeichnung, kehrte er nach Kriegsende wieder in seine medizinische Tätigkeit zurück. Er war eine der hochkarätigsten Führungspersönlichkeiten des Heeres.

Als die Schüsse von Sarajewo 1914 den Ersten Weltkrieg auslösten, stand für den damals erst 16jährigen Karl Mauss fest, in die Armee einzutreten. Durch seine Hartnäckigkeit und die Unterstützung seines Vaters überwand er die Stellungskommision und wurde ins Jägerregiment 162 aufgenommen. Trotz seiner Jugend erwies Mauss sich als glänzender und mutiger Soldat. Bereits 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse, 1916 wurde er im Alter von knapp 17 Jahren(!) für wiederholte Tapferkeit vor dem Feind (Arras, La Bassee, Flandern, Somme, Isonzo) zum Leutnant befördert (er war somit der jüngste Offizier der gesamten Armee!) und kurze Zeit später mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet! Durch sein großes Selbstvertrauen konnte sich Mauss bei seinen durchwegs älteren Untergebenen und Vorgesetzten stets Respekt verschaffen. Im letzten Kriegsjahr meldete sich der junge Offizier freiwillig zur Fliegertruppe und stand zuletzt gerade mitten in der Ausbildung zum Jagdflieger. Neben einer Splitterverwundung im Jahre 1916 hatte er auch das Glück, 1918 einen schweren Flugzeugabsturz während eines Übungsfluges überstanden zu haben.

In den Nachkriegsjahren 1919/20 kämpfte Oberleutnant Mauss erfolgreich im Freikorps "Oberland" sowie der Marinebrigade "Erhardt", 1922 schied er aus dem Militärdienst aus und studierte in Hamburg Zahnmedizin.

Doch im Zivilleben war Dr. Mauss anscheinend nicht recht zufrieden - 1934 ließ er sich als Hauptmann in die Wehrmacht reaktivieren und übernahm das II. Bataillon des (mot.) Infanterieregiments 69.

Bei Kriegsbeginn diente Major Dr. Mauss mit seinem Regiment in der 20. (mot.) Infanteriedivision, mit der er am Polenfeldzug teilnahm. Nach ersten Vorstößen aus Ostpreußen stürmte er an der Spitze seiner Männer erfolgreich gegen die gefürchteten Befestigungsanlagen von Brest-Litowsk an. Für seine Leistungen mit den Spangen zum Eisernen Kreuz 1914 ausgezeichnet, wurden Dr. Mauss und sein bewährtes Bataillon im Spätsommer in die neu aufgestellte 10. Panzerdivision beordert - die neue Bezeichnung war nun Schützenregiment 69.

Im Mai 1940 traten die Grenadiere zum Krieg gegen Frankreich an.

Im Westfeldzug stieß das "Bataillon Mauss" zusammen mit den Panzern der Division im Verband des XIX. Panzerkorps (Guderian) durch die Ardennen nach Belgien vor und besetzten Wiry, Sedan, St. Quentin und Abbeville. Danach kämpfte die 10. PD im Raum Calais-Dünkirchen.

Bereits in diesen ersten Gefechten griff Major Dr. Mauss erfolgreich auf seine Kriegserfahrungen 1914/18 zurück. Er verstand es glänzend, seine Energie und Begeisterung auf die Männer zu übertragen und bei Angriffen als Ruhepol zu wirken. In der zweiten Phase des Westfeldzuges nahm Dr. Mauss an den Kämpfen gegen die 7. französische Armee teil. Die 6. Armee, der die 10. PD unterstellt war, eroberte u.a. Sens und Nevers. Anfang Juni 1940 stand die Division dann bei Vierzon.

Den Krieg gegen die riesige Sowjetunion erlebte Oberstleutnant (01.04.41) Dr. Mauss auch von Anfang an. An der Spitze seiner Einheit kämpfte er im Mittelabschnitt der Ostfront, nahm an den Schlachten entlang der "Moskauer Rollbahn" teil und kämpfte erfolgreich bei Wjasma. Besonders schwere Opfer hatte seine Truppe in der Winterschlacht vor Moskau zu beklagen. Als sein Bataillon trotz schwerer russischer Angriffe und mörderischen Temperaturen erfolgreich die Stellungen am Ufer der Urga verteidigte, erhielt Dr. Mauss für das Halten des Brückenkopfes am 26.11.41 das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.

Nach den allgemeinen Rückzugskämpfen des Frühjahres 1942 bezog die angeschlagene 10. PD bei Smolensk neu Stellung. Dr. Mauss gab nach erneuter Bewährung sein Kommando ab und übernahm als Oberst (20.04.42) das Panzergrenadierregiment 33 der kampferprobten 4. Panzerdivision. Sein damaliger Divisionskommandeur war Eichenlaubträger Heinrich Eberbach, an der Spitze der Grenadierbrigade stand der spätere Schwerterträger Smilo von Lüttwitz!

Nur zwei Monate darauf wurde Dr. Mauss während der erbitterten Abwehrschlacht von Orel erstmals seit dem Ersten Weltkrieg wieder schwer verwundet. Nach der Entlassung aus dem Lazarett kehrte er an die Spitze seines Regiments zurück.

Hier zeigte er sofort wieder seine wahre Klasse als Frontoffizier. Als die Division im Spätherbst 1943 von russischen Panzer- und Schützendivisionen überflügelt wurde, geriet eine von Dr. Mauss geführte Kampfgruppe im Frontbogen von Kursk in einen Kessel. Kurz entschlossen vereinbarte Dr. Mauss mit der restlichen Division einen gemeinsamen Angriff auf den noch dünnen Umklammerungsring. Durch die so freigekämpfte Gasse konnte Dr. Mauss alle Überlebenden und sogar Teile des schweren Materials in Sicherheit bringen! Am 24. November 1943 wurde Oberst Dr. Mauss - als einer von insgesamt neun Angehörigen der 4. PD - mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz dekoriert, für das er bereits im April einmal eingereicht, aber vom OKH abgelehnt worden war. Sein damaliger Divisionskommandeur Dietrich von Saucken - später ebenfalls Brillantenträger - schätzte seinen besten Regimentskommandeur und zeitweiligen Stellvertreter als "bewährten Frontkämpfer, glänzenden Offizier und guten Taktiker".

Im Winter 1943/44 wurde Oberst Dr. Mauss kurzfristig mit der Führung der 8. Panzerdivision beauftragt, ehe ihm im Jänner 1944 eine unerwartete Ehre zuteil wurde.

Als Nachfolger für den kurz zuvor gefallenen Brillantenträger Adelbert Schulz übernahm Dr. Mauss die ruhmreiche und kampferprobte 7. Panzerdivision, die sich 1940 unter Erwin Rommel, ebenfalls Brillantenträger, den Beinamen "Gespensterdivision" verdient hatte. Andere Kommandeure waren der spätere Brillantenträger von Manteuffel sowie der alte Haudegen und Eichenlaubträger Generalmajor Hans von Funck gewesen. Die 7. PD war eine der erfolgreichsten und kampferfahrensten Panzerdivision des Heeres. Trotz dieses enormen Erfolgsdrucks wurde der zum Generalmajor (01.04.44) beförderte ehemalige Zahnarzt den Erwartungen gerecht.

Während der schweren Gefechte bei Schitomir, Tarnopol, Brody und Minsk schossen die Panzer der 7ten über 800 russische Panzer ab! Allesüberschauender Ruhepol der Gefechte war der stets von vorn führende Divisionskommandeur Dr. Karl Mauss.

Besonders vielsagend für Dr. Mauss war die Tatsache, dass er als Weltkriegsveteran für seine vielen direkten Fronteinsätze seit August 1943 die Nahkampfspange in Bronze trug! Sein Erfolgsgeheimnis war neben seiner eisernen Ruhe und seinen hervorragenden Untergebenen noch seine enorme geistige Beweglichkeit und Energie.

So war es auch unmittelbar nach seiner Kommandoübernahme gewesen, als die 7. Panzerdivision im Verband der 1. Panzerarmee (Hube) bei Kamenez-Podolsk eingeschlossen wurde und sich als "wandernder Kessel" wieder an die eigene Front herangekämpft hatte. Nach phantastischen Leistungen in den Baltikumstaaten (u.a. Wilna, Libau, Doblen und Lida) erhielt Dr. Mauss am 23. Oktober 1944 die 101. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Als ihm Hitler bei der Übergabe einen Fronturlaub anbot, lehnte Mauss diesen ab und erbat statt dessen die Lieferung von 40 neuen Panzern an seine Division!

Nach dem Rückzug durch Ostpreußen und einer kurzen Auffrischung wurde die 7. Panzerdivision im Frühjahr 1945 als Eingreif-Reserve der Heeresgruppe Nord eingesetzt und für Abwehrerfolge im Wehrmachtsbericht genannt. Die Division war in den schweren Gefechten so erfolgreich, dass die russischen Divisionskommandanten sich über Funk sogar gegenseitig warnten. Eine von deutschen Funkern aufgefangene Meldung lautete: "Achtung, Mauss ist wieder da - äußerste Vorsicht geboten, der bringt alles fertig!"

Im Verband des VII. Armeekorps führte Dr. Mauss seine tapferen Verbände in Westpreußen und im Großraum Danzig. Als er erneut überlegenste sowjetische Angriffe abschmetterte, benachbarte Divisionen aus der Patsche holte und sich abermals als einer der besten Panzerkommandeure des Heeres auszeichnete, wurde er für die höchste Auszeichnung eingereicht. Der erste Anstoß hierfür ging von Generalleutnant von Rappard aus, welcher mit seiner berühmten 7. ID seit Monaten Hand in Hand mit der "Gespensterdivision" operierte. Dieser selbst mit dem Eichenlaub ausgezeichnete, bewährte Offizier wurde später in russischer Gefangenschaft erschossen.

Nachdem sowjetische Stoßarmeen die "Ostpreußen-Stellung" durchbrochen hatten, geriet die 7. PD zusammen mit etwa 15 weiteren Divisionen in den Westpreußen-Kessel entlang der Danziger Bucht. Etwa die gleiche Anzahl wurde südlich von Königsberg im sgn. Ostpreußen-Kessel abgeschnitten.

Am 25. März 1945 wurde Dr. Mauss während einer schweren Abwehrschlacht durch Splitter einer Artilleriegranate so schwer verwundet, dass in einer Notoperation der linke Oberschenkel amputiert werden musste! Trotzdem blieb der hochdekorierte Panzergeneral ungebrochen und befehligte seine Verbände während der letzten Kriegswochen von der Tragbahre aus!

Am 15. April wurde Generalleutnant Dr. Mauss in Anerkennung seiner glänzenden Leistungen als 26. und vorletzter Offizier der Wehrmacht mit den Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern dekoriert. Somit war er nach Rommel, Schulz und von Manteuffel der bereits vierte Kommandeur der "Gespensterdivision", der die höchste Tapferkeitsauszeichnung erhalten hatte! Kurz darauf wurde der bewährte Divisionskommandeur rückwirkend (01.04.45) zum General der Panzertruppe befördert. Sein gleichnamiger Vetter hatte es in der Wehrmacht übrigens auch bis zum General gebracht - und zwar als Militärarzt.

Als sich das Ende des hart bedrängten Westpreußen-Kessels abzeichnete, wurden die Reste der wertvollen 7. Panzerdivision mitsamt ihres schwer verwundeten Kommandeurs aus Gotenhafen über See nach Dänemark evakuiert. Diese schwierige Operation hatte Dr. Mauss durch persönliche Initiative beim OKW erreicht.

Am 5. Mai 1945 führte General Dr. Mauss seine tapfere Division in Mecklenburg in britische Gefangenschaft - insgesamt hatten 31 Ritterkreuz- und 6 Eichenlaubträger zum großen Ruhm der Division beigetragen.

Trotz seiner schweren Verwundung wurde Dr. Mauss erst 1947 aus der Gefangenschaft entlassen.

Wie vor dem Krieg eröffnete er wieder eine Zahnarztpraxis. Ein Aufnahmegesuch in die neue deutsche Bundeswehr wurde aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt, so blieb Erich "Bubi" Hartmann der einzige ehemalige Brillantenträger der bundesdeutschen Streitkräfte.

 

Ritterkreuz (26. November 1941) Eichenlaub (24. November 1943) Schwerter (23. Oktober 1944) Brillianten (15. April 1945)

 

QUELLE: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, www.ritterkreuz.at