Bombenkrieg und Abwehr in Dessau

 

Die Stadt Dessau war wegen ihrer Bedeutung für die Rüstungsindustrie ein Ziel für die alliierte Bomberflotte. In Dessau befanden sich viele Rüstungsbetriebe. Anfang 1943 waren in Dessau 41.991 Menschen in der Rüstungsproduktion beschäftigt, davon allein 32.810 in den Junkers-Flugzeug und Motorenwerken. Seit 1924 wurde in der Dessauer Zuckerraffinerie unter anderem das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B hergestellt.

Nach dem Bunkerprogramm von September/Oktober 1940 waren für Dessau zunächst 8, später zwölf Bunkerbauten vorgesehen (11 Hoch und ein Tiefbunker). Am 31. August 1943 waren 8 fertig gestellt, in denen 15.000 Dessauer Zuflucht finden konnten. Der Luftschutzbau 2 befand sich in der Kavalierstraße. Der Luftschutzbau 3 am Bahnhof. Der Luftschutzbau 4 befand sich in der Böhmischen Straße. Der Luftschutzbau 5 war der Krankenhausbunker I. Der Luftschutzbau 6 war der Krankenhausbunker II. Der Luftschutzbau 7 war in der Hermann-Göring-Straße. Der Luftschutzbau 8 war in der Altener Straße. Der Luftschutzbau 10 war in der Mittelbreite/Haideburger Straße. Der Luftschutzbau 11 war in der Turmstraße. Der Luftschutzbau 12 war in der Pötschstraße in Rosslau.

Insgesamt erlebte die Stadt Dessau vom 20. August 1940 bis zum 8. April 1945 20 Bombenangriffe auf die Stadt. Der Höhepunkt war der Angriff am 7. März 1945. Insgesamt verzeichnete die Stadt 1.136 Tote durch die Angriffe. Schwere Angriffe waren 28. und 30. Mai 1944, 20. Juli 1944, 16. August 1944, 28. September 1944 und 16. Januar 1945. Allein im Zeitraum 20. August 1940 bis November 1940 wurde 33 Mal Luftalarm in Dessau ausgelöst.
20. August 1940 Nachtangriff 0.21 bis 2.30 Uhr Feuerbereitschaft der Flak; Ziel waren Junkers-Betriebsanlagen und der Flugplatz. Getroffen wurde hauptsächlich Askanische Straße in der Nähe der Zuckerfabrik. Insgesamt gab es 6 Tote, darunter auch Oberleutnant der Reserve Horst Wehram aus Magdeburg in den Trümmern des "Münchener Hof", welcher durch eine 50 Kilo-Bombe eingestürzt war.
23. November 1940 Nachtangriff ohne Schaden auf die Weststadt
16. Dezember 1940 4.40 Uhr auf die Weststadt Treffer in der Amalienstraße 6 Tote
Im Jahr 1941 gab es insgesamt 23 Alarme und 15 Luftwarnungen, insgesamt 4 Angriffe auf Desau
13. März 1941 4.30 Uhr auf Dessau-Alten keine Toten; getroffen wurde aber auch die Fliegertechnische Vorschule in der Richthofen-Straße
10. April 1941 auf Kleinkühnau
18. April 1941 auf Alte Straße Dessau-Alten und Bahndamm Dessau-Roßlau
15. August 1941 Güterbahnhof, Wallwitzhafen, ein Sägewerk und die Friedrichskaserne. Schwere Schäden an den Gleisanlagen 1 Toter
8. November 1941 freies Feld bei Waldersee
1943 54 Alarme und 15 Luftwarnungen
16. Juni 1943 kleiner Mosquito-Nachtangriff auf die Scheplake 1 Toter
21. Juni 1943 kleiner Mosquito-Nachtangriff auf Dessau-Süd
31. August 1943 Nachtangriff auf das Flugplatzgelände. Dabei in Kleinkühnau mehrere Gebäude in Mitleidenschaft gezogen
22. November 1943 auf Dessau-Süd1.000 Meter südlich des Stadtrandes erste Luftmine auf Dessau. Dagegen wurde mit Brandbomben das Reichsbahn-Sportfeld und 20 Häuser getroffen.
21. Januar 1944 Nachtangriff auf Dessau Süd, 309 Gebäude beschädigt
28. Mai 1944 schwerer Angriff auf Innenstadt und Raffinerie 112 Tote
30. Mai 1944 schwerer Angriff auf Junkerswerke und Siedlung 42 Tote, davon ein Soldat der Wehrmacht
20. Juli 1944 schwerer Angriff auf Junkerswerke und Siedlung und Dessau-Alten 13 Tote
16. August 1944 schwerer Angriff auf Junkerswerke und Siedlung und Dessau-Alten 33 Tote
28. September 1944 schwerer Angriff auf Nordstadt und Wasserstadt 70 Tote
16. Januar 1945 schwerer Angriff auf Südstadt und Weststadt 184 Tote
7. März 1945 schwere Angriff auf die Innenstadt 668 Tote, davon 10 Soldaten der Wehrmacht, dagegen 84 Ausländer und 102 Kinder
8. April 1945 leichter Angriff auf die Weststadt

1943 waren in Dessau 4 schwere und 5 leichte Flak-Batterien stationiert. Mitte Mai 1944 wurde Dessau durch dreizehn schwere Flakbatterien der 2. Flak-Brigade mit insgesamt 81 Rohren geschützt. Drei der Rohre gehörten der Heimat-Flak-Batterie am Ortsausgang Waldersee, welche 1943 aufgestellt wurde. Dazu kamen noch vier leichte Flak-Batterien mit insgesamt 71 Rohren. Der Flakgruppe waren auch noch 5 Scheinwerfer-Batterien mit 80 Scheinwerfern und eine Nebel-Abteilung angegliedert.